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Wurzelsondierungen – warum sie so wichtig sind

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Sie sind nicht immer ganz günstig, liefern jedoch wertvolle Erkenntnisse. Ein aktuelles Beispiel, warum Wurzelsondierungen so wichtig sind und zum Standard bei Arbeiten im Baumumfeld gehören sollten.

Ausgangslage: Ein denkmalgeschütztes Haus und eine gemäss Luftaufnahmen rund 100-jährige Linde. Beides soll erhalten bleiben. Aufgrund der Erschliessung des hinteren Grundstücksbereichs sind Bodeneingriffe jedoch unumgänglich.

Nun kann stundenlang darüber diskutiert werden, ob und wie viele Wurzeln betroffen sein könnten und welche (teuren) Massnahmen allenfalls zu ergreifen wären. Der Eingriff erfolgt stammnah und damit deutlich innerhalb der Baumschutzzone (Kronentraufe + 1,5 m). Theoretisch sind somit starkes Wurzelvorkommen, teure Massnahmen zu erwarten, gewisse Verletzungen des Baumes aber trotzdem nicht auzuschliessen.

Alternativ kann bereits im Vorfeld jeglicher Detailplanung eine Bauverträglichkeitsprüfung mittels Wurzelsondierung durchgeführt werden. Zwar breiten Bäume ihre Wurzeln an einem Naturstandort ähnlich der Krone aus – häufig sogar deutlich darüber hinaus -, an urbanen Standorten sind jedoch weder der genaue Bodenaufbau noch mögliche frühere Eingriffe in der Vergangenheit bekannt. Der chaussierte Parkplatz könnte ein Hinweis auf Veränderungen im Wurzelraum sein, auch wenn dieser vermutlich bereits seit mehrere Jahrzehnte besteht. Eine Sondierung ist daher die einzige geeignete Massnahme, um frühzeitig Planungssicherheit zu schaffen.

Im vorliegenden Fall wurde entlang der Flucht des geplanten Bodeneingriffs ein Sondiergraben erstellt, rund 170 cm vom Baum entfernt. Und siehe da: Auf Höhe des Parkplatzes wurden die Wurzel in der Vergangenheit gekappt und/oder abgerissen. Zusätzliche Schäden sind durch das Verlegen eines TV-Kabels entstanden.

Überraschenderweise haben trotz des langen Zeithorizonts kaum neue Wurzeln in den stark verdichteten Boden des Parkplatzes eingewurzelt (siehe Abbildung unten). Lediglich im vorderen Bereich sind eine Starkwurzel sowie weitere grössere Wurzeln erkennbar.

Fazit
Dank der Sondierung konnten klare Fakten geschaffen werden. Die Flucht der bestehenden Wurzelschäden wurde mittels LiDAR erfasst (siehe Abbildung unten) und im Plan vermasst, ebenso das Wurzelwerk im vorderen Bereich. Damit ist klar, dass die Erschliessung wie geplant, ohne Mehraufwände und ohne Schädigung des Baumes, umgesetzt werden kann. Lediglich im vorderen Bereich sind lokal Massnahmen erforderlich, um das vorhandene Wurzelwerk zu schützen.

Bodenprofil
Bodenprofil im Sondiergraben in Richtung Parkplatz ohne Wurzelvorkommen. Gut erkennbar ist, dass es sich dabei nicht um einen natürlich gewachsenen Boden handelt. Grafik: Eigene Aufnahme
lidar
LiDAR-Aufnahme aus der Vogelperspektive. Oben mittig der Baum, links im Graben das dichte Wurzelgeflecht mit der Starkwurzel. Ansonsten ist kaum nennenswertes Wurzelvorkommen vorhanden. Grafik: Eigene Darstellung