Mit offenen Augen durchs neue Jahr
Wir wünschen ein frohes neues Jahr und nutzen die Gelegenheit zur Erklärung eines auffälligen Phänomens an einigen Baumarten.
Sie schauen in alle Richtungen und man fühlt sich manchmal schon fast ein bisschen beobachtet. Vor allem an glattrindigen Baumarten sind die «Augen» oft zu finden (vgl. Abbildung unten), bei uns sind sie ein typisches Merkmal der heimischen Buche. Da die Rinde bei diesen Baumarten sehr dünn ist, bleiben Narben lange sichtbar.

Dabei handelt es sich um Narben von Ästen, die entweder natürlich abgestorben und abgestossen oder vom Menschen bewusst entfernt wurden. Dadurch entstehen die politisch eher unkorrekt bezeichneten «Chinesenbärte» (vgl. Abbildung unten).
In der Forstwirtschaft sind diese ein wichtiger Indikator für die Holzwertigkeit. Je flacher die Falte, desto länger liegt die Astung zurück. Zudem lassen sich daraus auch die Dicke und der Winkel des Astes bestimmen. Folglich deuten flache Bärte auf weniger störende Äste im Holzkörper hin (ROLOFF 2022, S. 57). Da dieses Holz wertvoller ist, spricht man beim bewussten Absägen solcher Äste von der Wertästung.

ROLOFF, A. (2022): Handbuch Baumdiagnostik. Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer