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Baumriesen – Rot-Buche Villa Büel, Winterthur

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Die Rotbuche (Fagus sylvatica) bei der Villa Büel gehört zu den stärksten, ältesten und eindrücklichsten Bäumen der Stadt. Aufgrund ihres etwas versteckten Standorts bleibt sie jedoch oft unbeachtet. Deshalb wird sie hier näher vorgestellt.

Etwas versteckt am Rand der Parkanlage der Villa Büel, unterhalb des Büelparks, wirkt die mächtige Rotbuche auf den ersten Blick eher unscheinbar. Spätestens wenn man denn Stammfuss erreicht wird jedoch klar, welche beeindruckenden Dimensionen dieser Baum erreicht: Der Stamm weist einen Durchmesser von gut 190 cm auf und der sichtbare Wurzelteller bedeckt eine Fläche von rund 20 m² (siehe Bilder unten).

Besonders auffallend ist auch die äusserst imposante Gabelung, welche den Baum in zwei – immer noch massive – «Einzelbäume» teilt. Im oberen Bereich der Baumkrone zeigen sich leichte Anzeichen einer Wachstumsstagnation (Krallenbildung). Dabei gehen die Wipfeltriebe zur Kurztriebbildung über, wodurch der Höhenzuwachs des Baumes abnimmt. Dies kann ein Hinweis auf eine nachlassende Vitalität sein. Angesichts der beachtlichen Höhe von rund 31 Metern ist ein weiterer Höhenzuwachs jedoch auch nicht zwingend erforderlich.

Aufgrund eines Pilzbefalls und Schädigungen in der Vergabelung wurden mehrere Kronensicherungen installiert, welche die beiden Stämmlinge miteinander verbinden. Dadurch kann die Rotbuche voraussichtlich noch lange erhalten bleiben.

Der bekannte französische Biologe Philippe de Clairville liess sich bereits 1788 auf der Liegenschaft nieder und legte einen botanischen Garten an. Von den damaligen Gebäuden ist heute jedoch nichts mehr erhalten. 1850 liess der Baumwollunternehmer Friedrich Imhoof-Hotze die Villa Büel erbauen.

Der Garten wurde vermutlich zur selben Zeit von den bekannten Gartenarchitekten Johann Alexius Gillemann und Conrad Löwe nach englischem Vorbild gestaltet. Wahrscheinlich wurde auch die Buche im Zuge dieser Gartenanlage gepflanzt. 1945 gelangte die Villa über die Familie Sulzer in den Besitz der Stadt, welche darin ein Waisenhaus einrichtete. Heute wird das Gebäude als Schule genutzt. (Bächinger 2023)

Anhand alter Fotografien und Zeichnungen lässt sich das Alter des Baumes – im städtischen Baumkataster mit dem Jahr 1851 angegeben – vergleichsweise gut rekonstruieren und verifizieren. Bei älteren Bäumen wird häufig das Baujahr von Gebäuden oder Parkanlagen als Pflanzjahr angenommen, was jedoch nicht immer zutrifft.

Auf historischen Luftaufnahmen ist die Buche bereits deutlich zu erkennen und weist schon im Jahr 1919 eine markante Grösse auf (siehe Bilder unten). Auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1851 könnte sogar die junge Buche dargestellt sein (siehe Bild unten).

Aufgrund dieser Hinweise könnte es sich bei dieser Rotbuche um den stärksten Baum der Stadt handeln und – sicher von der Breite-Eiche übertroffen – um einen der ältesten Bäume im Stadtgebiet.

Die Buche gilt als DER Baum Mitteleuropas und würde ohne menschlichen Zutuns, die Wälder von Dänemark bis in den Balkan dominieren, da sie in diesen Breitengraden als Klimax-Art gilt (rudow 2014). Im Zuge des Klimawandels scheint die Buche aber – sowohl in der Forstwirtschaft als auch in ihrer Nutzung im städtischen Raum – diese Vorherrschaft bzw. gute Angepasstheit langsam zu verlieren.

bächinger, h. (2023): Villa Büel [online]. 12.02.2023 [Zugriff am: 11.03.2026]. Verfügbar unter: https://www.winterthur-glossar.ch/villa-bueel
rudow, A. (2014). Zur Ökologie der Buche